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Von der Koordinatorin Ulrike Ritter
Die 7. Dulsberger HerbstLESE ist vorbei. Ich glaube, so viel Spaß wie in diesem Jahr hat es mir noch nie gemacht.
Die größte Überraschung war für mich, wie gut das Thema Lyrik ankam. Es war "nur so eine Idee" gewesen, die kurze Textform zum Schwerpunkt der HerbstLESE zu machen. Wer interessiert sich schon für Gedichte? Aber es funktionierte.

Die "Erntehelfer" vom Dulsberger KulturStammtisch bei der Ausstellungseröffnung
Für Kinder gab es absurde Gedichte und Reime bei der Gedicht-Revue "Ottos Mops" sowie bei einer szenischen Lesung aus dem Buch "Großen Ozean". Wer hätte gedacht, dass auch Kinder Gedichte klasse finden und noch stundenlang nach den Shows mit Sprache spielen und in Reimen sprechen? Gedichte stecken an!
Die Schreibwerkstatt mit Jugendlichen brachte Poesie auf sehr hohem Niveau hervor. In den Gedichten der 14- bis 15-Jährigen ging es um Freundschaft, um Liebe und um den Tod. "Ich bin beeindruckt, dass Ihr in Eurem Alter schon so viel über Liebe wisst", sagte die Großmutter einer Teilnehmerin. Die Pädagogin der Gesamtschule, die viel dafür getan hatte, dass die Schreibwerkstatt stattfand, hatte Tränen in den Augen, weil sie von den Texten so berührt war. Auch ich hatte eine Gänsehaut.
Über vierzig Gedichte von mehr als dreißig DulsbergerInnen baumelten von Anbeginn der HerbstLESE am Gedichtebaum auf dem Straßburger Platz. Viele der Gedichte waren leicht und brachten mich zum Lachen, andere machten mich nachdenklich. Ich las von Liebe, von Schwermut, von besonderen Augenblicken und bekam ein Gefühl für die Menschen, an denen ich sonst vorbei lief.
Besonders viel Spaß hat es in diesem Jahr gemacht, weil mit dem Dulsberger KulturStammtisch neue Aktionen hinzu kamen. Zum ersten Mal gab es Kunst. Zum Beispiel Dominique Ülkütans BaumAugen an den Espen der Straßburger Straße. Beim ersten Malversuch saugen die Astnarben die organische Farbe gierig auf, und nichts war zu sehen. Der zweite Versuch war zum Glück erfolgreicher. Die Augen sind auch jetzt noch sichtbar.

Dominique Ükültan bemalt die Espen in der Straßburger Straße
Weitere KünsterInnen produzierten eigens für die HerbstLESE Gemälde, Collagen und Bilder, die in einem leeren Ladenraum in der Dithmarscher Straße zu sehen waren.
Besonders erwähnenswert ist für mich noch der Auftritt der Bergedorfer Literatten mit ihrem Grotesk-Programm. Die vier aus Bergedorf angereisten Literatten legten ihr Maskottchen (eine präparierte Ratte, was sonst) auf dem Klavier der KaffeeWerkstatt ab und zeigten, was sie konnten. Und das war nicht von schlechten Eltern. Der als Operettenlied vorgetragene "Hexentanz" einer nicht mehr ganz jungen, männlichen Literatte schallt mir noch jetzt im Ohr. Bei den Sprachspielen einer weiteren Literatte lag das Publikum regelmäßig vor Lachen auf dem Boden. Die KaffeeWerkstatt will die Gruppe wieder einladen, damit noch mehr Dulsberger die Gelegenheit haben, sich das Programm anzusehen.
Friseur Fonseka von Bollywood Cut verwandelte seinen Salon in eine Bollywood-Kulisse, präsentierte leckere indische Spezialitäten, gab Sekt aus und bat schließlich eine filmreife Tänzerin aufs Parkett. Der Friseur-Salon platzte aus allen Nähten und wer drinnen keinen Platz hatte, versuchte einen Blick durch das Schaufenster zu erhaschen.

Bollywood-Tanz im Friseur-Salon
So war das in diesem Jahr. Vom HerbstLESE-Fest muss ich ja nicht erzählen. Es waren fast alle da…und wenn nicht, sagen Sie im Stadtteilbüro unter Tel. 652 80 16 Bescheid. Dann werden Sie das nächste Mal persönlich eingeladen. Denn jetzt geht schon die Planung für die nächste HerbstLESE los!
Herzlichst Ihre Ulrike Ritter