Von West nach Ost quer durch den Dulsberg.
Die Straßburger Straße ist die zweite West-Ost-Traversale durch den Dulsberg neben dem nördlich gelegenen Grünzug. Konzipiert wurde sie als Hauptverkehrsstraße mit Straßenbahn und als Ausfallstraße aus dem Stadtgebiet heraus. Der westliche Abschnitt von der Schule Krausestraße bis zum Straßburger Platz gibt in der Wohnbebauung links und rechts der Straße noch heute ein Zeugnis für die städtebaulichen Reformideen Fritz Schumachers. Die einheitliche Gestaltung mit Backstein verbunden mit unterschiedlichen Baustilen wie Traditionalismus und Expressionismus repräsentiert die Idee beispielhafter Stadtplanung. Da bei der Zerstörung im zweiten Weltkrieg die Außenmauern größtenteils stehengeblieben waren, konnte der Wiederaufbau in der ursprünglichen Form erfolgen.
Foto: Irma Kleinfeldt - Denkmalschutzamt Hamburg
Die Erdgeschossflächen in den Wohngebäuden waren meist Ladenlokalen vorbehalten, um die Nahversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Der Straßburger Platz war um 1930 an drei Seiten von Gebäuden umgeben, die zum Platz hin Läden bereit hielten. Der südöstliche Bereich des heutigen EDEKA war unbebaut. Auf diesem Areal war noch Brachland, die Landwirtschaft längst verdrängt. Dem Platz fehlte damit seine wichtige räumliche Begrenzung. Jeder Studierende der Architektur lernt im ersten Semester: Architektur heißt Räume schaffen, damit der Raum erfahrbar wird, braucht er seine Grenzen - sprich Wände.
Das Straßenviereck war angelegt und lässt sich auf Luftbildern ablesen. Für die Bebauung Anfang bis Mitte der 50er Jahre wählten die Bauherren und Baumeister die Form des Zeilenbaus, orientiert in Ost-West-Richtung, wie fast alle Gebäude auf dem Dulsberg, Ähnlich waren auch beinahe alle Entwürfe für den Wettbewerb von 1927, der den Bereich des heutigen Olympiastützpunktes ordnen sollte. Diese Ausrichtung mag überraschen, sie beruht aber auf einer einfachen wie simplen Rechnung.
Während der Tag- und Nachtgleiche (22.3. und 22.9. ohne Beachtung der Sommerzeit) geht die Sonne in Hamburg gegen 6h auf und um 18h wieder unter. Zwischen 10:30 und 15:30h steht die Sonne im Süden. Zusammengerechnet scheint die Sonne 5 Stunden aus Süden und 9 Stunden aus Ost oder West. (Quelle Sonnenbahn-Diagramm für 53° NB). Daher rührt die Ost-West-Orientierung für die Gebäude jener Zeit. Dass die Sonne mit unterschiedlicher Kraft auf die Bauwerke einwirkt, ist eine Erkenntnis der neueren Zeit. So gilt seit den 80er Jahren das Ziel die Gebäude möglichst nach Süden auszurichten. Da war der Dulsberg bereits weitgehend bebaut.
So wurden senkrecht zur Straßburger Straße acht Wohnbauten in Zeilen positioniert. Zum Ring 2 tritt die Zeile zurück, um Platz für eine Tankstelle zu schaffen. Am westlichen Ende wird ein Kinosaal errichtet. Dieser Zeilenbau beherbergt zudem im Erdgeschoss eine Polizeiwache mit den Arrestzellen im Kellergeschoss. Verbunden werden die Wohnzeilen mit einer Reihe von Ladengeschäften an der Straßburger Straße mit einem durchgehenden Vordach als markantes Zeichen. Hier fanden ein Kiosk, eine Eisdiele, verschiedene Geschäfte für den täglichen Bedarf ihren Platz - bis hin zu einer Filiale der Hamburger Sparkasse. Sie allein hat die Zeit überdauert.
Das Kino ging, die Läden wechselten, die Tankstelle wurde abgerissen und machte Platz für ein Ärztezentrum. Selbst das Vordach wurde mittig unterbrochen als der Bereich schadhaft und durch ein Trapezdach überdeckt wurde, eine gestalterisch unglückliche Lösung. Mit EDEKA und REWE an ihren Enden ist die Ladenzeile die Einkaufsstraße des Dulsbergs.
Nach der Einstellung der Straßenbahnlinie wurde der Mittelstreifen der Straßburger Straße zur mehr oder minder geordneten Parkfläche. Die Bäume auf dem Mittelstreifen, die der Straße einen alleehaften Charakter geben, litten unter den fehlenden Abstandsflächen. 2016 wurde die Straße nach vierjähriger Planungs- und Erörterungszeit saniert und umgebaut. Die wichtigsten Aspekte dabei waren, den Alleencharakter der Straße zu wahren und die Flächen für die verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu ordnen.