Die Bücherhalle - Aufstieg und Niedergang einer Kultureinrichtung.
Seit 1957 steht ein Gebäude am östlichen Zugang zum Dulsberg an der Kreuzung Straßburger Straße/Eulenkamp. Es zeigt sich mit seinem gelben Klinker, der vollständigen Verglasung der Ostfassade und der geschwungenen Formgebung in der Innenraumgestaltung als typisches Beispiel für die Nachkriegsmoderne der 50er Jahre.
Auf einer unbebauten Fläche, auf der auch ein Wohnhochhaus oder ein Supermarkt hätte entstehen können, beschloss die Stadt, Kultur und Bildung in den Stadtteil zu bringen. Im Rahmen eines entschieden vorangetriebenen Bücherhallenentwicklungsplans entstand der Neubau einer Bücherhalle. Im ersten Monat nach der Eröffnung am 30.9.1957 wurden von den Dulsberger*innen 10.000 Bücher ausgeliehen, bei einem Bestand von 13.500 Büchern. Der große Hunger nach Literatur und Büchern zeigte sich auch daran, dass es auf dem Dulsberg in den 50er Jahren mehrere privat geführte Leihbüchereien gab, zum Teil als zusätzliches Angebot wie beim Tabakgeschäft Gillert im Ladenzentrum am Alten Teichweg.
Die Bücherhalle bestand bis 2005, als sie 48 Jahre nach ihrer Eröffnung und trotz eindringlicher Proteste aus der Bevölkerung und der lokalen Politik aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde. Damit verabschiedeten sich die Stadt und die Stiftung Bücherhallen Hamburg in Dulsberg wie auch in ca. 20 weiteren Stadtteilen, die meist ebenso sozial benachteiligt waren, von dem Leitsatz eines flächendeckenden öffentlichen Bibliothekssystems. Die Prioritäten bei den finanziellen Zuwendungen lagen woanders.
In Dulsberg und an einigen anderen betroffenen Standorten /z.B Veddel, St. Pauli, Bahrenfeld) wurden von engagierten Stadtteilinitiativen alternative Bibliothekslösungen hauptsächlich für Kinder erarbeitet und umgesetzt. In Dulsberg gibt es seit 2007 das Lesehaus in Räumen der Stadtteilschule Alter Teichweg und in enger Kooperation mit dem Stadtteilbüro (Träger des Lesehauses), der Schule und vielen Kitas aus dem Stadtteil.
Das Gebäude steht inzwischen unter Denkmalschutz. Nachdem der angrenzende Mietwohnungsblock abgerissen worden war, wurde von der SAGA an die ehemalige Bücherhalle eine Seniorenwohnanlage mit Servicewohnungen gebaut, die von der AWO betreut wird. Das Bücherhallengebäude dient jetzt als Treffpunkt für die Bewohner*innen und ist öffentlich nur noch eingeschränkt zugänglich.