Altes Grenzland wird zum vielfältigen Mittelpunkt – der Elsässer Platz.
Steht man auf dem neuen Elsässer Platz und blickt auf die Stormarner Straße, ist vermutlich nur wenigen bewußt, dass unter dem Asphalt in der Pflasterung der Stormarner Straße noch eine uralte Grenzlinie zu erkennen ist. Sie trennte seit dem Mittelalter alte hamburgische Besitzungen von den unterschiedlichen Fürstenreichen, die um die Herrschaft über Schleswig-Holstein kämpften. Die jetzige Bezirksgrenze zwischen HH-Nord und Wandsbek war Grenze zwischen Hamburg und Preußen bis 1937 (Groß-Hamburg-Gesetz) und davor zwischen Hamburg und dem Königreich Dänemark bis 1864 (Niederlage Dänemarks an den Düppeler Schanzen).
Diese Grenzsituation beförderte durchaus zweifelhafte Aktivitäten, da der polizeiliche Verfolgungsdruck auf der jeweils anderen Seite der Grenze unterschiedlich war. Eine Gaststätte, die hier seit langem bestand, soll auch dubiose Kundschaft beherbergt haben. Hamburg besaß im 19. und 20. Jhdt. nur wenige Wochenmärkte, die nach und nach verschwanden, so dass es 1911 nur noch einen großen zentralen Wochenmarkt am Deichtor gab.
Foto: Herbert Fietz - Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Die Nahversorgung wurde von Karrenhändlern übernommen, die mit ihren Waren in die Stadtteile zogen.
Im preußischen Wandsbek gab es einen großen Wochenmarkt auf dem Wandsbeker Marktplatz und als das aufwachsende Dulsberg genügend Kunden versprach, richtete man am Rande Wandsbeks, auf der Stormarner Straße einen weiteren Wochenmarkt hauptsächlich für die hamburgischen Dulsberger ein. Auch nach dem Krieg, nach einem kurzen Intermezzo auf dem Straßburger Platz (1948 -1953) wurde hier wieder ein Wochenmarkt eingerichtet, unter der Aufsicht des Bezirksamtes HH-Nord. Ende der 59er Jahre wurde auf dem Platz ein Marktmeisterhaus errichtet, sowohl als Aufenthaltsstätte für den Marktaufseher samt technischer Einrichtungen, aber auch sanitäre Anlagen für die Marktbeschicker und -besucher. In der Hoffnung, den an diesem Standort schrumpfenden Markt mit einer Verlagerung auf den zentralen Straßburger Platz zu retten, wurde er Ende 2004 wieder zurückverlegt, wo er Ende 2025 endgültig zu Grabe getragen wurde.
Für das funktionslos gewordene Marktmeisterhäuschen auf dem Elsässer Platz schien es zuerst keine neue Nutzung zu geben, bis das Stadtteilbüro den Gedanken aufbrachte, das Haus zu sanieren und zu einem nachbarschaftlichen Treffpunkt umzugestalten. 2009 stellte der Bezirk Mittel zur Verfügung und so konnte das Marktmeisterhaus 2013 in der Obhut des Stadtteilbüros wieder eröffnet werden.
2021/2022 wurde der Elsässer Platz mittels Förderung aus dem Rahmenprogramm integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) grundlegend umgestaltet und mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten versehen.
Neben einer neuen Begrünung auch für Urban Gardening Aktivitäten, einer Boulebahn und einer Stadtradstation entfaltet der Platz heute ein hohe Aufenthaltsqualität, von der auch das Marktmeisterhaus profitiert und immer stärker nachgefragt wird. Aktuell wird eine flächenmäßige Erweiterung des Hauses geprüft.