Das Grün geht mit der Zeit - der Grünzug als Spiegel der Freiraumplanung der letzten hundert Jahre.
Der reformierte Bebauungsplan von Fritz Schumacher aus dem Jahr 1918 sah einen langgestreckten Grünzug mitten durch den entstehenden Stadtteil vor. Die vorherigen Planungen gaben sich mit einer relativ kleinen Grünfläche mit Schmuckbeeten zufrieden, die etwa in Höhe des Straßburger Platzes lag. Aber die Idee des neuen Bauens mit gut belichteten und belüfteten Wohnungen sah auch ausreichende Freizeit- und Erholungsflächen für die arbeitende Bevölkerung vor.
Otto Linne, seit 1914 Direktor des Hamburger Gartenbauamtes, entwarf dafür einen detaillierten Plan in Form eines langgestreckten Grünzuges mit Spazierwegen an beiden Seiten und mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, der ab 1925 umgesetzt wurde. Eine solche Durchgrünung eines Wohngebietes war eine neuer und innovativer Gestaltungsansatz.
Den westlichen Abschluss des Grünzugs an der Lothringer Straße sollte ein repräsentatives Gebäude für Kultur und Bildung markieren, das allerdings so nie gebaut wurde. Daran schloss sich eine große Wiesenfläche an, die als Festwiese und Sportstätte genutzt werden konnte.
Der sandige Untergrund ermöglichte daran anschließend die Anlage eines riesigen Sandspielplatzes. Ein aus Baumstämmen gebautes meterlanges Krokodil blieb vielen Dulsberger*innen bis ins hohe Alter in Erinnerung. An den Spielplatz schlossen sich links und rechts von der Elsässer Straße sogenannte Alte-Leute-Gärten an, die von Blumen umgebene Sitzmöglichkeiten boten.
Foto: Deutsche Digitale Bibliothek / Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Diese Idee von Otto Linne griff Werner Töpfer, nach dem Krieg verantwortlicher Gartenamtsleiter bei seiner Neugestaltung an der Elsässer Strasse wieder auf. Danach kam der Höhepunkt für die Dulsberger Kinder, ein bis zu 1 Meter tiefes großes Planschbecken, gerahmt von einer breiten strandähnlichen Sandfläche, an die westlich und östlich große Liegewiesen anschlossen. Am Planschbecken standen lange, z.T. überdachte Sitzbänke für die Begleitpersonen; dichte Heckenkabinette boten Umkleidemöglichkeiten, es gab einen gemauerten "Pinkelwinkel" und in einem Trinkhäuschen konnte man seinen Durst stillen.
Zur Nordschleswiger Straße hin beschloss ein weiterer Alte-Leute-Garten den westlichen Teil des Grünzugs. Die einzelnen Bereiche waren durch Hecken- und Baumpflanzungen voneinander abgetrennt. Ein Parkwärter sorgte täglich für Ordnung und frisches Wasser im Planschbecken.
In den letzten Kriegsjahren des zweiten Weltkriegs und besonders in den harten Nachkriegswintern wurde in den notdürftig hergerichteten Kellern und Wohnungen alles verheizt, was brannte und wärmte. Auf der Festwiese an der Lothringer Straße standen bis zu 40 Baracken und sogenannte Nissenhütten, kaum isolierte Wellblechhütten, die 300 Menschen Unterkunft boten. Fast jede freie Fläche wurde gegen den Hunger mit Gemüse bepflanzt. Als 1951 das Bezirksamt HH-Nord den Grünzug neu überplante, war von der vielfältigen Gestaltung der Vorkriegsjahre kaum noch etwas übrig.
Der neue Grünzug sollte anders aussehen, nicht mehr kleinteilig gestaltet, mit fest umrissenen Nutzungsmöglichkeiten, sondern landschaftlicher, offener und weitläufiger und vermutlich auch weniger pflegeaufwendig. Nach der Räumung der letzten Nissenhütten 1957 wurde die Festwiese zu einem Bolz- und Versammlungsplatz umgestaltet, auf dem der junge Helmut Schmidt seine ersten Kundgebungen abhielt. Der Platz wurde zum Fußballplatz und bekam in den 60er Jahren erstes Flutlicht und wurde bis heute mit Umkleidekabinen, Clubheim und Kunstrasen ausgestattet.
Er ist die Heimat des Dulsberger Sportclubs DSC Hanseat. Daneben nutzen auch die SV DJK Hamburg 1920 (Sportvereinigung Deutsche Jugendkraft Hamburg) und der Sportverein Alter Teichweg den Sportplatz. Die große Sandspielfläche daneben wurde verkleinert und mit Bepflanzungen aufgewertet. Auch das Planschbecken wurde wieder hergerichtet und statt Strand mit einer Rasenfläche umgeben. Allerdings erwiesen sich die Kosten für einen hygienisch einwandfreien Betrieb auf Dauer als zu hoch, so dass das Planschbecken trocken fiel.
1999 wurde die Fläche umgebaut zu einen Multifunktionsplatz. Um die üppigen Liegeflächen vor herumlaufenden Vierbeinern zu schützen wurde eine Hundeauslauffläche eingezäunt.
Die ehemaligen Alte-Leute-Gärten an den den Grünzug kreuzenden Straßen waren in der Neuplanung nicht mehr vorgesehen. Dennoch entstand auf der östlichen Seite der Elsässer Straße aus dem Alte-Leute-Garten ein Rosengarten, der Ende der 80er Jahre seine heutige Form bekam.