Vorhang auf!
Die Kinogeschichte auf dem Dulsberg beginnt in der direkten Nachkriegszeit mit dem "Theater am Dulsberg".
Ernst-Peter Kruse betrieb ein provisorisches Kino in der Aula der Schule Graudenzer Weg mit 520 Plätzen, heute Stadtteilschule Alter Teichweg. Vor dem Krieg mussten die Dulsberger und Dulsbergerinnen, die in der Nähe einen Film sehen wollten, nach Barmbek oder Wandsbek ausweichen. Allein an der Wandsbeker Marktstraße gab es drei große Filmpaläste und an der Dehnhaide die Schauburg Barmbek getreu dem Schlager "Kinder lasst die Frau durch, sie will noch in die Schauburg".
1952 zog Ernst-Peter Kruse mit seinem Kino in ein nur teilzerstörtes Gebäude Ecke Dithmarscher Straße/Lauenburger Straße. Dort eröffnet er 1953 das Kino Rondeel mit 630 Plätzen. 1956 wurde es mit einer Cinemascope-Leinwand und einem 4-Kanal-Tonsystem ausgestattet.
Dem Kinogenuss stand also nichts mehr im Wege und die Werbung versprach täglich drei Vorführungen und sonntags zweimal zusätzlich Kindervorstellungen. 1966 kam das Aus für das Kino und die Räume durchliefen danach verschiedene Nutzungen.
Heute steht dort ein moderner Neubau, der die runde Ecke des Kinofoyers mit den großen Buchstaben "Rondeel" auf dem Vordach andeutungsweise mit einer abgeschrägten Ecke wieder aufnimmt.
Bereits 1954 wurde der erste Kinoneubau in Hamburg auf dem Dulsberg in der Straßburger Straße eröffnet. Das Kino war der westliche Abschluss eines Gebäudeensembles mit Wohnungen und Läden, das von der Nordschleswiger Straße bis zur Elsässer Straße reichte.
Anfang der 1950er Jahre wurde es von der Arbeitsgemeinschaft Architekten Klophaus, Koch, Biesterfeld und Dr. Suhr entworfen. Das UFA Theater Dulsberg war größer und prächtiger ausgestattet. Es bot 875 Sitzplätze, ein großes Foyer mit Sitzmöbeln und einem Brunnen mit Blumenschmuck. 1956 wurde eine 11m breite Cinemascope Leinwand installiert.
Es war offenbar sogar ein Erstaufführungskino und zog Filmstars zu Kinopremieren auf den Dulsberg.
Bereits 1962 wurde es geschlossen und in einen der größten Hamburger Supermärkte mit über 800qm Ladenfläche umgewandelt. Herbert Eklöh, der Pionier der deutschen Selbstbedienungsläden betrieb hier einen seiner modernen Supermärkte.
Am 1. Mai 1965 eröffnete die PRO auf dieser Fläche einen ihrer größten Supermärkte in Hamburg, nachdem sie die Ladenkette von Eklöh übernommen hatte. Bis heute erinnert die Säule, die aus dem Vordach herausragt und früher das UFA-Logo trug, an die Kinovergangenheit des Supermarktes.
Die Kinogeschichte des Dulsbergs wäre nicht vollständig ohne die Erwähnung, dass der Dulsberg auch Drehort für Filme war und ist. 1994 kam der Fernsehfilm "Der König von Dulsberg" nach einem Drehbuch von Felix Huby heraus. Mit Filmstars wie Götz George, Katja Flint, Angelika Milster und Gert Hauke wurde in dieser Komödie die Geschichte eines großmäuligen Senatsdieners aus Dulsberg erzählt, der sich seinen Nachbarn aufgrund angeblich enger Kontakte zu den Mächtigen als Fürsprecher und Dealmaker verkauft und sich zum "König von Dulsberg" macht.
Fast alle Außenaufnahmen wurden auf dem Dulsberg gedreht.
Für die Dauerserie "Großstadtrevier" ist der Torbogen in der Elsässer Straße 20/22 wiederkehrender Drehort. Ironie der Geschichte – nebenan in der Elsässer Straße 18/20 war von 1925 bis zur Ausbombung 1943 das Polizeirevier 51, später Revier 62 untergebracht.
An der Stadtteilschule Alter Teichweg werden in der "Filmfabrik Dulsberg" seit 2012 in Zusammenarbeit mit Medienpädagogen und Filmschaffenden von den Schülern und Schülerinnen Kurzfilme gedreht, die die Kinogeschichte Dulsbergs weiter lebendig erhalten.