Erziehung im Wandel der Zeit - vom Hitlerjugendheim zur Kindertagesstätte.
Die Kita Lothringer Straße steht auf einer Fläche am westlichen Ende des Grünzugs, für die Fritz Schumacher in seinem Bebauungsplan von 1918 ein repräsentatives Gebäude als Abschluss der Grünachse vorgesehen hatte. Federzeichnungen zeigen ein zweiflügeliges Gebäude mit einer mittigen Rotunde und einer darüber liegenden Kuppel, das Kultur- und Bildungszwecken für die Wohnbevölkerung dienen sollte. Diese Zeichnung ähnelte stark der Trinkhalle im Stadtpark, so dass die Zeichnung vermutlich nur ein Platzhalter war. Das sogenannte Volkshaus war also noch nicht wirklich entworfen und wurde in Schumachers Zeit auch nicht mehr gebaut.
Foto: Max Köster - Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor Fritz Schumacher sein Amt als Hamburgs Oberbaudirektor. Auf dem Dulsberg wurde nur noch an einigen Stellen weitergebaut. Es entstanden noch die Wohnblöcke zwischen Elsässer und Hultschiner Straße und östlich der Nordschleswiger Straße zwischen Straßburger und Tiroler Straße sowie die Frohbotschaftskirche.
Auf die prominente Fläche an der Lothringer Strasse wurde 1938 ein Jugendheim für die Hitlerjugend gebaut. Der Entwurf stammte von Hermann Höger, einem jüngeren Bruder von Fritz Höger, dem Architekten des Chilehauses. Dieser Bau wurde im "Heimatschutzstil" ausgeführt, einer weiteren eher moderaten Richtung des "Neuen Bauens". Ihn prägten vor allem traditionelle Formen wie geneigte Dächer oder auch Rundbögen.
Das HJ-Heim war durchaus großzügig konzipiert, z.T. zweistöckig, mit Kreissegmentbogenfenstern und -türen im Erdgeschoss, einem Mittelrisalit mit Frontgiebel und Satteldach. Ein großer Reichsadler unter dem Frontgiebel und dunkle Fenster- und Türläden im Erdgeschoss schmückten das Gebäude.
Zwei Fahnenstangen links und rechts vom Eingang betonten den offiziellen Charakter des Gebäudes. Das große Freigelände rund ums Haus und der große Bolzplatz hinter dem Heim waren ideal geeignet zur körperlichen Ertüchtigung der männlichen Jugend.
Das Gebäude wurde im Krieg nur teilweise zerstört und mit einigen Veränderungen, wie einem Flachdach, wiederhergestellt.
Seit Anfang der 50er Jahre ist im ehemaligen HJ-Heim eine Kindertageseinrichtung untergebracht.
1953 wurde im ersten Stock des Gebäudes ein "Heim der offenen Tür" für Jugendliche eröffnet. Die Kita Lothringer Straße gehört heute zur Elbkinder-Vereinigung und nutzt inzwischen das gesamte Gebäude. Das große Freigelände, Anbauten und Modernisierungsmaßnahmen bieten jetzt ca. 170 Kindern vom Säuglingsalter bis zum Schulkind Betreuung und Förderung.
Ein angeschlossenes Eltern-Kind-Zentrum ist ein Treffpunkt für Austausch und Beratung.