Die Hochhausmoderne zieht an den Dulsberg.
Die Neubebauung des Dulsbergs nach dem zweiten Weltkrieg war ebenso eine architektonische Herausforderung wie die Erstbebauung nach dem reformierten Bebauungsplan von 1918, den Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher entworfen hatte. Wieder war es eine drängende Wohnungsnot, die möglichst viele Wohnungen zu erschwinglichen Preisen für Bauherren und Mieter erforderte. Schon seit den 20er Jahren gab es international die Diskussion, Hochhäuser auch zu Wohnzwecken in die Stadtgestaltung aufzunehmen. So entstanden die ersten Wohnhochhäuser Deutschlands von 1946 -1956 im Hamburger Grindelviertel. Ihr Wohnkomfort machte die von den Engländern in Auftrag gegebenen Wohnblöcke damals zu begehrten Mietobjekten.
Auf der westlichen Seite der Nordschleswiger Straße, wo die Bebauung mit den Frank’schen Laubenganghäusern durch den Kriegsbeginn nicht zu Ende geführt werden konnte, findet sich seit 1954 eine für den Dulsberg untypische Anordnung von Gebäuden zwischen der Oberschlesischen Straße und Dulsberg-Süd. Drei sechsgeschossige, rosafarbene Punkthäuser mit jeweils 48 Kleinwohnungen reihen sich entlang der Nordschleswiger Straße. Ein auskragendes Dach mit dunklem Unterschlag bildet einen deutlichen, oberen Abschluss. Die einzelnen Fassaden sind nicht gleich. Das nördliche Punkthaus hat zur Straße vier Balkone in jedem Stockwerk, die mit dem Wohnzimmer nach außen gedreht jeden rechten Winkel vermeiden, eine für die 50er Jahre durchaus übliche Gestaltung. Die Balkonbrüstungen sind mit hellbeigen Fliesen verkleidet und ziehen optisch unter das Wohnzimmerfenster weiter. Das mittlere Punkthaus weist nur 3 Balkone zur Straßenseite auf und das südliche wieder vier. Dieser kleine Unterschied erzeugt einen Rhythmus und verdeutlicht ihren kompositorischen Zusammenhang.
Es lässt sich nicht eines der drei Häuser abreißen ohne diesen Zusammenhang zu zerstören.
An der Nordseite der Häuser finden sich die Treppenhäuser.
Diese führen überlange dunkle Flur in die einzelnen Wohnungen.
Zur Diedenhofer Straße bildet ein Zeilenbau den westlichen Abschluss. Dieses Gebäude wird zweimal unterbrochen und jeweils leicht gedreht. Die gesamte Anlage gehört heute zur HANSA-Baugenossenschaft.
Die einzeln stehenden Punkthäuser haben heute einen gravierenden Nachteil, der in den 50er Jahren so nicht absehbar war. Auf dem Ring 2 fahren in diesem Abschnitt heute ca. 46.000 Autos, deren Schallemissionen die Aufenthaltsqualität an der Straße stark mindern. Auch weist der Straßenraum jetzt eine gewisse Fragmentierung auf. Der früher favorisierten Blockbebauung, wie am gegenüberliegenden Naumann-Block, stehen unvermittelt drei Hochhäuser gegenüber. Sie absorbieren auch die Schallemissionen weniger als der Naumann-Block, der die innen liegenden Wohneinheiten von diesem Lärmpegel deutlich besser abschirmt.