Das Straßendreieck Krausestraße, Dithmarscher Straße und Lauenburger Straße.
Hier begann die Entstehung des Dulsberg.
Wenn man aus der Innenstadt oder Wandsbek nach Dulsberg kommt, mit der S-Bahn, Bus oder anderweitig, fällt der Blick sofort auf ein Hochhaus gegenüber der S-Bahn-Haltestelle Friedrichsberg, das definitiv ein Nachkriegsbauwerk ist.
Mit dem Bebauungsplan Barmbeck-Winterhude von 1903 begann in diesem Bereich die massive Bebauung des Dulsbergs mit Wohngebäuden.
Antreibend war auch die Eröffnung der S-Bahnlinie nach Ohlsdorf mit dem Bahnhof Friedrichsberg 1906. Auf alten Plänen und Luftbildern lässt sich erkennen, dass die dreieckige Fläche mit einer 5-geschossigen Blockrandbebauung versehen war.
Um das Grundstück besser auszunutzen wurde zur Krausestraße eine "Hamburger Burg" errichtet. Das war ein Rücksprung eines Wohnhauses um gut 30m. Diese Konstruktion lässt sich am besten mit dem erhaltenen Gebäudeensemble an der Straße Pfenningsbusch 10-26 in Barmbek-Süd vergleichen, wo gleich zwei "Burgen" zu sehen sind.
Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben dieses Areal so stark, dass damals entschieden wurde, die Trümmer zu schleifen und mit neuzeitlicher Architektur den Stadtraum neu zu gestalten.
Einflussreich war damals die Charta von Athen, ein Manifest von Le Corbusier, welches der CIAM (Congrès Internationaux d’Architecture Moderne, Internationale Kongresse für neues Bauen) 1933 in Athen verabschiedete. Darunter wurden Ziele für eine neue Stadtplanung formuliert: Trennen der Bereiche Wohnen und Arbeiten; Verwaltung und Kultur in der Innenstadt konzentrieren, Schaffen von großzügigen Freiflächen um Wohngebäude.
Die verschiedenen Bereiche sollen mit Verkehrsachsen verbunden werden. In diesem Manifest fiel zum ersten Mal der Begriff der "autogerechten Stadt". Hamburg versuchte nach dem Krieg, diese Ziele an vielen Stellen umzusetzen. Die Grindelhochhäuser sind wohl das prominenteste Beispiel.
Das Dreieck wurde mit einem Hochhaus (Krausestraße 77 und 79) als markante Eingangssituation für den Dulsberg bebaut. Östlich davon schließt sich eine eingeschossige Ladenzeile an. Zur Lauenburger Straße hin wurden zwei Wohngebäude (Krausestraße 69 – 75) im Winkel von 45° gestellt. Mit den beiden Nachbargebäuden erhielten alle die geforderten großen Freiflächen. Im Nordwesten des Areals ging man wieder zur Blockrandbebauung über.
Das Hochhaus mit der eingeschossigen Ladenzeile findet sich unter der Nummer 22711 in der Hamburger Denkmalliste wieder. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Nummer 22590 der Denkmalliste. Dabei handelt es sich um den kleinen, runden Verkaufskiosk zwischen dem Hochhaus und dem Eingang zur S-Bahn. Während das Hochhaus zwischen 1957/1960 datiert ist, wird der Kiosk mit Baujahr 1952 vermutet (!). Naheliegend ist, dass der Kiosk mit Materialresten des Hochhausbaus realisiert wurde. Der Kiosk dürfte mit seinem Durchmesser von 4m eines der kleinsten Baudenkmale Hamburgs sein.
Das Hochhaus mit der geräumigen Ladenfläche im Erdgeschoss und die Ladenzeile an der Dithmarscher Straße bis zur Hausnummer 21 zeigen noch heute in den architektonischen Details wie weit überstehende, quasi schwebende Vordächer und vitrinenartig vorgesetzte Schaufenster die Formensprache der fünfziger Jahre. Der Denkmalschutz bezieht sich aber nicht nur auf die Gebäude, sondern umfasst auch die großflächig erhaltenen, bauzeitlichen Gehwegplatten. Die Dulsberger und ihre Besucher haben damit ein betretbares Denkmal.