Fit für die Zukunft - Die Frohbotschaftskirche
Schon in den ersten Plänen für den neuen Stadtteil Dulsberg, die um die Jahrhundertwende (19./20.)entstanden, war auf dem zentralen Platz eine Fläche für eine Kirche vorgesehen.
Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der diese Pläne 1918 grundlegend verändert hatte, behielt aber den zentralen Kirchplatz bei, ja er entwarf selber einen Kirchenbau, der allerdings nicht realisiert wurde. Nachdem die Stadt die Bebauung nach dem neuen Bebauungsplan weiterführte, begann auch die Kirchenverwaltung über eine seelsorgerische Versorgung vor Ort im neuen Stadtteil nachzudenken. So kam es 1925 zu einem Pachtvertrag über 90 Jahre für ein Grundstück auf dem Straßburger Platz und dem Bau eines Kirchsaals für 150 Personen. Da die Bevölkerung des Stadtteils in den nächsten Jahren stark anstieg, wurde 1933 die Gemeinde Hamburg-Dulsberg eigenständig und von der Gemeinde Nord-Barmbek abgetrennt.
Obwohl es im Nationalsozialismus kaum Kirchenneubau gab, wurde 1935 ein Architekturwettbewerb für eine neue Kirche in Dulsberg durchgeführt. Der Siegerentwurf von Friedrich Dyrssen und Peter Averhoff wurde ab 1937 umgesetzt. Es entstand eine Hallenkirche für über 600 Menschen. Der 37 Meter hohe Kirchturm wurde an die Nordwestecke des Kirchenschiffsangebaut. Die Kirche mit der markanten halbrunden Apsis, dem Turm mit Zwiebeldach und nichtzugänglicher Aussichtsplattform, sowie einer den umgebenden Gebäuden angepassten Traufhöhe steht in der direkten Blickachse, wenn man vom Friedrich-Ebert-Damm kommend in den Stadtteilhineinfahrt. Damit ist die Frohbotschaftskirche das von fast allen Seiten sichtbare Wahrzeichen Dulsbergs.
Im zweiten Weltkrieg wurde das Dach zerstört und das Kirchenschiff brannte aus. Der Wiederaufbau unter Leitung des damalige Architekten Friedrich Dyrssen konnte 1955 abgeschlossen werden. Über die Jahrzehnte verringerte sich die Zahl der Gemeindemitglieder, die Kirche wurde schlicht zu groß und die Unterhaltungskosten sprengten zusehends den kirchlichen Haushalt. Viele Jahre wurde über Lösungen bis hin zu einem Abriss diskutiert und beraten. Ein Kirchenabriss kam für den Stadtteil und die Denkmalschutzbehörde nicht in Frage. Schließlich fand man eine innovative und überraschende Lösung. Die stark sanierungsbedürftigen Gebäude der Kirchengemeinde, die an die Kirche angebaut waren wie das Gemeindehaus und der Kindergarten, sollten abgerissen werden. In zwei einzelne Gebäude, sogenannte Kuben, die in das Kirchenschiff eingesetzt würden, sollten dann die Kita und die Gemeindearbeit einziehen.
In dem Altarraum in der Apsis würde ein stark verkleinerter Sakralraum für die Gottesdienste entstehen. Nach diesen Plänen wurde die Frohbotschaftskirche von 2016 bis 2019 umfänglich umgebaut und der Haupteingang an den Straßburger Platz verlegt.
Nach dem Abriss der Gemeindebauten entstand auf Teilen des Straßburger Platzes ein SOS-Familienzentrum mit Cafèbereich und ein Wohngebäude für drei innerstädtische SOS Kinderdorf-Familien.
Die sozialen und kirchlichen Angebote bereichern den Stadtteil und beleben das Zentrum neu.