Die Nachkriegssiedlung mit Ladenzentrum am Alten Teichweg.
Eine neue Zeit bricht an. Neue Architekturkonzepte und Baumaterialien, die ein neues Stadtbild prägen sollten, zeichneten eine der ersten Neubausiedlungen auf dem Dulsberg aus.
Als die Neubautätigkeit auf dem Dulsberg in den ersten Kriegsjahren des zweiten Weltkriegs zum Erliegen kamen, waren weite Flächen östlich der Nordschleswiger Straße noch nicht bebaut. So auch das Gebiet zwischen Alter Teichweg, Graudenzer Weg, Tondernstraße und Gravensteiner Weg.
Im reformierten Bebauungsplan von Fritz Schumacher, der 1918 von der Baudeputation beschlossen worden war, war diese Fläche als Sportplatz in einer Reihung von Sportflächen, den Grünzug rechtwinklig kreuzend, vorgesehen. In Stadtplänen und Luftaufnahmen der nächsten 20 Jahre ist diese Fläche als Sportfläche, Spielplatz oder Kleingartengebiet abgebildet.
1953 wurde von der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft "Neues Hamburg" (ging später in der "Neuen Heimat" auf) ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der in den Anforderungen dem Wettbewerb von Fritz Schumacher von 1928 stark ähnelte. Hier wie dort ging es um die bestmögliche und wirtschaftlichste Form des Kleinwohnungsbaues. Auf einer Fläche von 42.500 qm sollten Wohnungen für ca. 1500 Bewohner entstehen und zwar 15% Einraumwohnungen, 25qm groß, für 1 Person. 35% der Wohnungen sollten 2-Raumwohnungen, 38qm groß, für 2 Personen sein, 40% durften bis 50qm groß sein und 2 ½ Zimmer haben. Der Rest von 10% sollte 5-6 Personen beherbergen, 2 2/2 Zimmer haben und bis 65qm groß sein. Außerdem sollte ein Ladenzentrum mit bis zu 10 Läden die Nahversorgung sicherstellen und für jeweils 15 Wohnungen eine Garage vorhanden sein, die aber keine Tiefgarage sein durfte. Noch 1953 wurde damit begonnen, den Siegerentwurf der Architekten Berg, Neve, Sprotte und Tinneberg zu bauen.
Dieser Entwurf stand für neues Bauen auf dem Dulsberg. Um sich von dem vorherrschenden roten Backstein abzuheben, wurde der Entwurf in Gelbklinker ausgeführt. Man bebaute nicht mehr die Blockränder, wie noch überwiegend in der Vorkriegszeit, sondern die Zeilenbauten verteilten sich rhythmisch gestaltet auf dem Gelände.
Die 10 Ladengeschäfte reihten sich um einen kleinen Stadtplatz als zusätzlichen Begegnungsort neben den recht großzügigen Grünflächen zwischen den Häusern.
Dieser Platz wurde aufgewertet mit kleinen Beeten und Plastiken.
Zur Einweihung des Platzes wurde "Die Sitzende" der Hamburger Bildhauerin Barbara Haeger (1919 -2004) aufgestellt, ursprünglich als Teil einer Brunnenanlage. 1996 kam die Murmelbahn von Sebastian Hempel dazu, eine Spielskulptur mit einer funktionierenden Murmelbahn.
Zur Erstbelegung der Ladenflächen wurden ausschließlich Geschäfte zur Nahversorgung ausgewählt, von Süd nach Nord: Lebensmittel, Textilien, Milch und Käse, Tabakwaren, Blumen,Drogerie, Südfrüchte/Gemüse und eine Bäckerei. Die größte Fläche am nördlichen Ende bezog eine Gastwirtschaft. Auf eine Schlachterei wurde bewusst verzichtet, weil in unmittelbarer Nähe am Alten Teichweg 169 bereits eine Schlachterei bestand.
Der umfassende Strukturwandel im Einzelhandel machte natürlich auch nicht vor diesem kleinen Ladenzentrum Halt. Heute gibt es dort Dienstleistungsangebote und eine Kita. Auf der großen Grünfläche zwischen den einzelnen Häusern ist ein großer, beliebter Spielplatz entstanden.