Das "Neue Bauen" zeigt sich in überraschender Form.
Zwei der interessantesten Wohnanlagen auf dem Dulsberg waren die beiden sich gegenüberliegenden Blöcke vom Naumann- und vom Nordmarkplatz. Sie bestanden aus zwei ineinanderliegenden, an einer Seite aufgeschlitzten, ringförmigen Wohnblöcken. Zwei quergestellte Riegel verbanden die Ringe in Nord-Süd-Richtung. Die Zufahrt von der Königshütter Straße zum innen gelegenen Naumannplatz erfolgte in Ost-West-Richtung, ebenso wie die zwei Fußgängerdurchgänge zur Nordschleswiger Straße. Die Hauseingänge lagen für den äußeren Ring außen an der Straße, für den inneren Ring gingen sie vom Naumannplatz ab.
Foto: Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Das Gesamtensemble wurde gegliedert und akzentuiert durch unterschiedliche Geschosshöhen, betonte Lichtbänder über den Eingängen und profiliertem gebänderten Mauerwerk im Erdgeschoss. Die Mittelteile im äußeren Ring und die Querriegel in Nord-Süd-Richtung waren fünfgeschossig, der innere Ring und die Ost-West-Seiten waren viergeschossig. Die im 45° Winkel abgeschrägten äußeren Blockrandecken und das Flachdach trugen zu einem kubistischen Gesamteindruck bei.
Die Architekten dieses Bauvorhabens waren Rudolph Klophaus, August Schoch und Erich zu Putlitz. Sie entwarfen die Anlage im Auftrag der "Freien Stadt", einer 1926 gegründeten gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft.
Mit diesem Bauvorhaben entwickelte sich ein frühes Beispiel für sozialen Wohnungsbau. Der Vertrag mit der Stadt sah vor, dass 25% der Wohnungen von der Stadt vergeben werden konnten, dass die Miethöhe durch staatliche Baukostenzuschüsse und günstige Hypotheken niedrig gehalten wurde und eine sehr kurze Bauzeit nur bei Strafzahlungen überschritten werden durfte.
So wurde die Anlage nur mit einmonatiger Verzögerung in der vorgegebenen Bauzeit zwischen Sommer 1928 und Ende November 1929 fertiggestellt.
Sie enthielt ca 380 Kleinwohnungen und 20 Läden und Gaststätten.
Im zweiten Weltkrieg wurde der Naumannplatz nicht so stark zerstört wie der benachbarte Nordmarkplatz, so dass sich in den unteren Geschossen, vor allem in den Kellern mehrere Ausgebombte notdürftig einrichteten.
Innerhalb des Jahres 1950 fand der Wiederaufbau statt. Durch den Ausbau der Dachböden erhöhte sich die Zahl der Wohnungen auf über 500, vor allem 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen. Bis auf den Dachgeschossausbau und ein einfacheres Flachdach wurde der Naumannblock fast detailgetreu wieder aufgebaut. Inzwischen steht die Anlage unter Denkmalschutz.
Der Naumannblock ist heute im Besitz der SAGA und wurde 1977 erstmals bis auf die Fenster vollständig modernisiert. Die Außenanlagen wurden mehrmals neu gestaltet. Im Zentrum des inneren Hofes entstand 1951 eine Brunnenanlage mit der Skulptur "Tanzende Mädchen" von Martin Irwahn.
Später wurde das Brunnenbecken, in dem die Figur stand, bepflanzt und das zugewachsene Grün ausgelichtet. Namensgebend war der liberale Politiker Friedrich Naumann (1860 – 1919), ein Freund Fritz Schumachers.