Ein Zwilling geht verloren.
Die Wohnanlage am Nordmarkplatz nördlich des Grünzugs war das bauliche Pendant zum Naumannplatz einem erfolgreichen Beispiel vorzüglichen Kleinwohnungsbaus. Und so wurde, ein Jahr nach der Fertigstellung der hoch gelobten Anlage, 1930 mit dem Bau des zweiten Wohnkomplexes mit ineinander gestellten Gebäuderingen begonnen.
Die Erschließungsstraße ging in Nord-Süd-Richtung vom Alten Teichweg aus und ein Verbindungsriegel von Nord nach Süd zwischen den beiden Ringen betonte diese Achse. Die gesamte Anlage war im Umfang und in der Wohnungsanzahl etwas kleiner als der Naumannblock, optisch ihm aber durch gleiche Formen und Baumaterialien sehr ähnlich. So bildeten beide Anlagen links und rechts vom Grünzug eine städtebauliche Torsituation in das Dulsberggelände.
Die Zerstörungen das Nordmarkplatzes im zweiten Weltkrieg waren enorm.
Nur der äußere östliche Riegel längs das Alten Teichwegs war stehen geblieben. Alle anderen Gebäude waren fast vollständig zerstört und somit auch die charakteristische Form des Doppelrings. Der Wiederaufbau begann 1950 und zog sich bis 1956 hin. Statt der ringförmigen Bebauung wurden jetzt parallel zur Nordschleswiger Straße sechs unterschiedliche lange, drei- und viergeschossige Zeilen gebaut, die zum Teil gegeneinander etwas versetzt waren. Bei den ersten Gebäuden, die hochgezogen wurden, bestanden die Außenmauern aus einer Masse aus Zement und Trümmersplitt, die in eine Holzverschalung gegossen und dann verputzt wurden. Statt der Flachdächer bekam die Anlage Satteldächer und alle Gebäude wurden verputzt, letztlich auch die stehengebliebenen Originalbauten aus Backstein. Um die Wohnungsnot zu lindern, wurden auch am Nordmarkplatz fast nur Klein- und Kleinstwohnungen gebaut. Die kleinsten Einzimmerwohnungen waren 14 qm groß.
Ab den 70er Jahren wurde die Anlage nach und nach saniert, gedämmt und Wohnungen blockweise zusammengelegt, so dass sich die Anzahl der Wohnungen fast halbierte. An einigen, den Innenhöfen zugewandten, Bereichen wurden nachträglich Balkone angebaut und die Freiflächen zwischen den Zeilen neu gestaltet. Farbig abgesetzte Fassaden geben dem Nordmarkplatz einen modernen Anstrich, von der ursprünglichen optischen und stadträumlichen Einheit der Zwillingsbauten Naumannplatz und Nordmarkplatz ist aber nichts mehr spürbar.
Eigentümerin der Anlage ist die SAGA.