Schienengebundener Nahverkehr auf dem Dulsberg.
Stadtplanung beginnt in aller Regel mit der Erschließung des vorgesehenen Geländes durch Straßen und Verkehrsachsen, die die bebaubare Fläche begrenzen. Für das zu entwickelnde Dulsberggelände war es ein großer Vorteil, dass bereits eine S-Bahnlinie mit dem fertigen Bahnhof Friedrichsberg existierte. Dieser Bahnhof war am Kreuzungspunkt einer Nord-Süd-Verbindung (heute Krausestrasse/Mühlenstrasse) und einer Ost-West-Verbindung (Eilbektal/Stormarner Strasse) gebaut worden.
Der Bahnhof Friedrichsberg der Hamburg-Altonaer-Verbindungsbahn war bereits im Dezember 1906 eröffnet worden. Er bestand aus einem repräsentativen Jugendstilgebäude und einem überdachten Bahnsteig. Das Gebäude wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und in einfacher Form wieder hergestellt.
Foto: Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Die ersten Bewohner des Dulsbergs im Umfeld des Bahnhofs hatten damit einen schnellen Anschluss in die Innenstadt. Der sich entwickelnde Stadtteil mit einer wachsenden Bevölkerung benötigte aber ein weiteres Verkehrsmittel, um die Mobilität und Arbeitswege der Bewohner*innen sicherzustellen.
So wurde die Magistrale, die quer durch den Stadtteil führte, mit Straßenbahngleisen versehen. Dies war beim Bau der Straße offenkundig eingeplant gewesen, denn die Straßenbreite erlaubte einen breiten Mittelstreifen für die Straßenbahn, der zudem noch links und rechts von Kastanien gesäumt war. Die Fahrt mit der Straßenbahn durch die Straßburger Straße zur Zeit der Kastanienblüte war ein besonderes Erlebnis.
Im Juli 1926 nahm die Linie 8 ihren Verkehr auf und fuhr vom Hamburger Berg in St.Pauli zum Straßburger Platz, wo sie wendete. Im November 1928 war dann die Verlängerung bis zur Farmsener Trabrennbahn fertig. Nach den Bombennächten 1943 waren große Teile der Straßenbahnanlagen zerstört, so dass der Betrieb eingestellt werden musste. Erst im Juli 1951 konnte die Linie 8 ihre Fahrt wieder aufnehmen und fuhr von der Trabrennbahn bis zur Dehnhaide. 1955 fuhr sie weiter bis zum Rathausmarkt. 1960 wurde die Linie 8 in die Linie 16 umgewandelt und fuhr bis April 1963 von der Trabrennbahn bis Hagenbecks Tierpark. In diesem Jahr wurde die Straßenbahn auf dem Dulsberg endgültig eingestellt.
Die Hamburger Straßenbahn hatte eine Besonderheit, die man sich in Belgien abgeschaut hatte. Sie beförderte nicht nur Menschen, sondern auch die Post und besonders den Postschnellverkehr. Die 20 Linien, die auf ihrer Fahrt am Hauptbahnhof hielten, hatten am hinteren Wagen einen Briefkasten, in den jede/r einen mit einem Zuschlag von 5 Pfennig entsprechend frankierten Brief einwerfen konnte. In einem ausgeklügelten System wurden die Briefkästen am Hauptbahnhof ständig entleert, sortiert und weitergeleitet. Eilbriefe konnten so schon am gleichen Tag zugestellt werden. Mit der Straßenbahn waren so etwa 250 zusätzliche Briefkästen im Einsatz und Briefe daraus wurden mit einem zusätzlichen Straßenbahnstempel versehen.
Diesen Service gab es in Hamburg seit 1920, aber er wurde 1958 wegen zu hoher Personalkosten wieder aufgegeben.
Foto: Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Mit dem Abschied von der Straßenbahn gab es aber eine neue, schnellere und bequemere Verbindung in die Innenstadt, die U-Bahn. Am 3. März 1963 war der U-Bahnhof Straßburger Straße eröffnet worden, am 4. August folgte dann der Bahnhof Alter Teichweg. Eine U-Bahn-Linie vom Jungfernstieg über Meßberg bis Wandsbek-Gartenstadt, die "Wandsbeker Linie" wurde bereits seit 1955 geplant. Wandsbek-Markt sollte mit einem ZOB (Zentralen-Omnibus-Bahnhof) zum Verkehrsknotenpunkt für den Wandsbeker Raum werden. 1959 beschloss der Hamburger Senat den Bau der U-Bahntrasse im Bereich Wandsbeker Allee und Nordschleswiger Straße in einer offenen Baugrube. Dadurch war die Nordschleswiger Straße von Mitte 1960 bis Mitte 1962 komplett gesperrt.
Einen Übergang gab es auf dem Dulsberg nur am Alten Teichweg und dann noch an der Walddörfer Straße. Dies hatte für die Bevölkerung große Umleitungen, Lärm und Dreck und sehr viele Unbequemlichkeiten zur Folge. Geschäfte entlang der Baustelle erlebten einen massiven Umsatzrückgang und alle atmeten auf, als sie endlich die schöne neue U-Bahn benutzen konnten.