Das Zentrum im Wandel der Zeit.
Schon in den ersten Plänen für einen neuen Stadtteil Dulsberg Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts tauchte ein zentraler Platz auf.
Dieser lag inmitten einer Ausfallstraße, beherbergte den Kirchplatz und die einzige Grünfläche des Stadtteils. Fritz Schumacher, der Hamburger Oberbaudirektor, veränderte diese Pläne dahingehend, dass die Straßburger Straße weiterhin die zentrale West-Ost-Achse durch den Stadtteil blieb, die Grünflächenplanung völlig neu als eine zweite West-Ost-Achse angelegt wurde und die Straßburger Straße nach ungefähr der Hälfte leicht verschwenkte und damit einen zentralen Platz ermöglichte.
Somit war die angedachte Kirche der zentrale Blickfang, wenn man von Osten in die Stadt hinein fuhr. Dieser rechteckige Straßburger Platz, umgeben von vier Straßen und einer Straßenbahnkehre wurde bis zum Bau der Frohbotschaftskirche Mitte der 30er Jahre noch von einer kleinen Straße als Verlängerung der Gebweiler Straße durchschnitten. Auf der westlichen Fläche stand das Gemeindehaus von 1925 und östlich der Straße war eine kleine Parkanlage. 1937 wurde die Frohbotschaftskirche als letzter Kirchenneubau vor dem Krieg fertiggestellt und damit verschwand auch die Zweiteilung des Platzes. Die umgebende einheitliche Bebauung, abgesehen von der noch leeren südöstlichen Seite, schuf eine räumliche Qualität, die einen zentralen Stadtplatz ausmachen sollte.
Die Kriegszerstörungen haben Dulsberg wie auch andere innenstadtnahe Wohngebiete der Arbeiterschaft und Kleinbürger hart getroffen. Sprengbomben, die die Dächer öffneten und Brandbomben, durch die dann die Gebäude ausbrannten, ließen in dem Stadtteil nur die Außenmauern zurück.
Ca. 80% aller Wohnungen auf dem Dulsberg waren zerstört oder stark beschädigt. Bereits im Oktober 1945 berief der Hambuger Bausenator einen Bauausschuß ein, der den Wiederaufbau der Stadt organisieren sollte.
Neubaugebiete der Vorkriegszeit, die bereits nach modernen Wohnstandards gebaut worden waren, sollten vorrangig wieder hergestellt werden.
Dulsberg, wo viele Außenmauern und auch Treppenhäuser stehen geblieben waren, gehörte deshalb zu den ersten Wiederaufbaugebieten.
Fehlendes Baumaterial sollte teilweise in experimentellen Wiederaufbereitungsanlagen aus Trümmerschutt hergestellt werden, wie im Dulsberger Grünzug geschehen. Positiv ist hervorzuheben, dass die als vorbildlich angesehenen Gebäude in ihrem alten Glanz erstrahlen sollten.
Völlig zerstörte Gebäude wurden allerdings nicht immer nach diesem Grundsatz wieder aufgebaut, wie z.B. der Nordmarkplatz. So war der Dulsberg in 10 Jahren wieder aufgebaut und die meisten Baulücken waren geschlossen. Um der Wohnungsnot zu begegnen, wurden beim Wiederaufbau allerdings Grundrisse so verändert, dass pro Stockwerk eine oder zwei Wohnungen zusätzlich entstanden.
Auf dem Straßburger Platz fand ab Dezember 1948 erstmalig ein Dulsberger Wochenmarkt statt.
Anfänglich noch an jedem Werktag verringerte sich die Frequenz der Markttage bis September 1951 auf drei halbe Tage, montags, mittwochs und freitags. Der Freitagnachmittag war für Stadtteile mit hohem Arbeiteranteil vorgesehen, weil es freitags die Lohntüte gab. Ab Mai 1953 wurde der Wochenmarkt wieder zum Elsässer Platz verlegt, wo er schon vor dem Krieg stattgefunden hatte.
Nach dem Verlust des Wochenmarktes wurde der Straßburger Platz in den nächsten Jahrzehnten eher stiefmütterlich behandelt. Anpflanzungen vor der Kirche, die verwilderten und den Blick versperrten, zeittypische Pflanzkübel aus Waschbeton, die etwas verloren herumstanden und einige Bänke am Rand wirkten nicht gerade einladend. Nach fünfjähriger Überzeugungsarbeit aus dem Stadtteil und seinen Gremien wurde 2004 der frisch renovierte Platz der Öffentlichkeit übergeben. Um den Platz stärker zu beleben fand dort dann ab Dezember 2004 auch wieder der Wochenmarkt statt, der allerdings nach längerem Siechtum Ende 2024 endgültig eingestellt wurde.
Mit dem Umbau der Frohbotschaftskirche, dem Abriss des Gemeindehauses, in dem die Kita untergebracht war, der Verlagerung des Eingangsbereiches an den Platz und dem Neubau des SOS-Kinderdorfs und Familienzentrums auf veräußertem Gemeindegelände veränderte der Straßburger Platz noch einmal radikal sein Gesicht. Eine ganz neue Formensprache und moderne Gebäude, die die Höhe der direkt benachbarten Kirche aufnehmen, beherrschen jetzt mit ihrem spannungsvollen Gegensatz den zentralen Platz des Stadtteils.